Nonverbale Kommunikation

Die nonverbale Kommunikation macht in etwa 80% der zwischenmenschlichen Kommunikation aus. Lediglich zu 20% kommunizieren wir über auditive Signale. Unterbewusst wissen wir viele Signale des Körpers unseres Gegenübers zu deuten. In der Regel benötigen wir diese Signale sogar, um die Aussage des Gesprächspartners richtig zu deuten. Insbesondere in Telefonkonferenzen, die in in der Corona-Krise häufig durchgeführt wurden, spürte man dies ganz deutlich. Wir geben etwas von uns, das ganze Team hört zu, doch wir sehen keine unmittelbaren Reaktionen. 

Evolutionäre Entwicklung der nonverbalen Kommunikation 

Seit Anbeginn menschlicher Existenz wird von der nonverbalen Kommunikation Gebrauch gemacht. Schon lange bevor man sich verbal verständigen konnte, warnte man sich gegenseitig vor dem Säbelzahntiger, der am Wasserloch sein Unwesen trieb.

Die meisten nonverbalen Kommunikationssignale lassen sich auf die menschliche Evolution. 

Das menschliche Gehirn lässt sich in Stammhirn, Neokortex und lymbisches Gehirn unterteilen. Das Stammhirn ist für essentiellen Funktionen des Körpers verantwortlich. Der Neokortex entwickelt sich erst später. Das lymbische Gehirn beschützte den Menschen vor potenziellen Gefahrensituationen, in denen es eine von drei Reaktionen veranlasste.

1. Schockstarre

Eine mögliche Reaktion auf eine Bedrohung war die Schockstarre. Der Mensch erstarrte und stellte sich tot. Da viele Raubtiere nur Bewegungen sahen, wurde er so nicht von ihnen entdeckt und überlebte. 

2. Flucht

Eine zweite mögliche Reaktion des Menschen war die Flucht. Näherte sich eine Gefahr, so rannte er so schnell er konnte, um sich der Bedrohung zu entziehen. 

3. Kampf

Die dritte und letzte Reaktion des Menschen auf eine Bedrohung war der Kampf. Schon früh wurden Waffen gebaut und zur Verteidigung verwendet. Sah der Mensch keinen anderen Ausweg, so stellte er sich dem gefräßigen Gegner. 

Heute stellen lebensbedrohliche Situationen zwar eine Ausnahme dar, dennoch lassen sich Parallelen zu den Reaktionsmustern der Steinzeit erkennen.  

Signale der nonverbalen Kommunikation 

Welcher Körperteil ist deiner Vermutung nach am ehrlichsten? Interessanterweise sind es unsere Füße. Mit unseren Füßen können wir am schlechtesten lügen. 

Nonverbale Kommunikation der Füße und Beine

Unsere Füße und Beine senden unglaublich viele nonverbale Signale aus. 

Erwünscht oder nicht?

Stelle dir vor, du unterhältst dich mit einem guten Freund. Plötzlich stößt eurer Unterhaltung jemand zu deiner Rechten hinzu. Du magst die Person nicht besonders, folglich wirst du sehr wahrscheinlich lediglich deinen Oberkörper nach rechts drehen, um die Person zu begrüßen. Deine Füße werden ihre ursprüngliche Position beibehalten und weiterhin in Richtung deines eigentlichen Gesprächspartners zeigen. Magst du die Person und freust dich über ihr hinzustoßen, so wirst du ihr deine gesamte ventrale Körperseite offenbaren und sie zu der Konversation einladen. 

Dein Stand kann darüber hinaus noch mehr über deine Einstellung gegenüber einer unmittelbar in der Nähe befindlichen Person verraten. 

Der breitbeinige Stand

Bevor der Urzeit-Mensch zum Kampf ansetzte, sorgte er für einen sicheren und breitbeinigen Stand. Gleiches lässt sich noch heute feststellen. Fühlen wir uns durch die Anwesenheit einer Person unwohl oder gar bedroht, so werden wir die Stellung unserer Füße ausweiten, um einen sicheren Stand gewährleisten zu können und für den Notfall vorbereitet zu sein. 

Gekreuzte Beine

Bei Frauen beobachtet man häufig gekreuzte Beine. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass sie sich wohl und sicher fühlen. Aufmerksam sollten wir werden, wenn sich der Stand plötzlich und ruckartig in einen breitbeinigen Stand verändert. 

Der territoriale Imperativ

Jeder Mensch beansprucht sein persönliches Territorium. Man sagt, je höher die Position in einer beliebigen Hirarchie, desto größer der Raum, den die Person für sich beansprucht. Mit einem einfachen Test lässt sich herausfinden, wie groß das individuelle Territorium einer Person ist, bzw. Wie weit er uns dort hinein eindringen lässt. 

Der Test funktioniert folgendermaßen: 

Gehe, nachdem du eine Person per Handschlag begrüßt hast, einen Schritt zurück und schaue was passiert. Bleibt deine Gegenüber auf Ihrer Position, so ist sie mit der Distanz einverstanden. Macht die Person jedoch wieder einen Schritt nach vorne, so ist davon auszugehen, dass sie dir gegenüber positiv empfindet. Gedanken machen solltest du dir, wenn die Person ebenfalls den Rückwärtsgang einlegt. 

Selbstverständlich müssen all die Signale immer im Kontext betrachtet werden. 

Happy Feet 

In Besprechungen lässt sich häufig das Phänomen wippender Füße beobachten. Die wippenden Füße eines Besprechungsteilnehmers können ein Signal dafür sein, dass die Person mit dem Gesprächsverlauf zufrieden ist. Hört sie jedoch abrupt damit auf, so lässt sich auf eine Wendung zum negativen schließen. Auch diese Handlung muss natürlich immer im Kontext betrachtet werden. Die wippenden Füße könnten auch auf eine Nervosität der Person hinweisen. 

Nonverbale Kommunikation des Rumpfes und der Schultern 

Rumpf und Schultern senden ebenfalls zahlreiche Signale aus, die häufig auf den Gemütszustand einer Person schließen lassen. 

Abwendung und Zuwendung

Zuvor habe ich bereits den Begriff der ventralen Körperseite erwähnt. Die Vorderseite unseres Körpers ist besonders empfindlich und wir wenden uns am liebsten den Dingen zu, die in uns positive Gefühle auslösen. Folglich wenden wir uns Menschen zu, die wir mögen und lehnen uns von denjenigen weg, für die wir weniger Sympathie empfinden. 

Soziale Harmonie 

Stelle dir vor, du hast ein Date und möchtest feststellen, wie dein Gegenüber zu dir steht. Spiegelt dein Gegenüber dein Verhalten, so spricht man von sozialer Harmonie. Dies lässt sich testen, indem du dich zwischendurch nach vorne oder hinten lehnst und das Verhalten der anderen Person beobachtest. Spiegelt sie dein Verhalten, so empfindet sie wahrscheinlich Sympathie für dich. Betrachte auch dies immer im Kontext. Vielleicht sitzt dein Gegenüber auch einfach gerade sehr bequem und möchte ihre Position nicht verändern. 

Schutz

In unserem Rumpf befinden sich die wichtigsten Organe. Schon in der Urzeit war es wichtig, besonders den Rumpf vor Feinden zu schützen. Noch heute lässt sich in scheinbaren Gefahrensituationen ein ähnliches Verhalten beobachten. 

Beobachtet beispielsweise eine Mutter ihren Sohn bei einem Fußballspiel und sieht, wie dieser häufig gefoult wird, so verschränkt sie ihre Arme unterbewusst vor dem Rumpf um ihn dazu anzuhalten, ihr Verhalten zu imitieren und seine Organe zu schützen. 

Knüpft ein Teilnehmer in einer Besprechung plötzlich sein Sakko zu, so ist dies möglicherweise ein Anzeichen dafür, dass der Gesprächsverlauf ihm Unbehagen bereitet. 

Schulterzucken 

Ein interessanter Indikator für die Wahrheit einer Aussage ist das Schulterzucken. Werden wir nach etwas gefragt, worauf wir verneinen und nur leicht mit den Schultern zucken, so lässt sich darauf schließen, dass wir nicht ganz die Wahrheit gesagt haben. 

Nonverbale Kommunikation der Arme und Hände

Natürlich senden auch unsere Arme und Hände nonverbale Signale aus. 

Cobra-Effekt

Der Cobra-Effekt ist eine Geste, jene Dominanz zum Ausdruck bringen soll. Dabei werden die Hände hinter dem Kopf verschränkt und man türmt sich auf wie eine Cobra. In einer Besprechung wird die ranghöchste Person am ehesten dazu neigen, eine solche Geste zu verkörpern. Betritt jedoch eine ranghöhere Person den Raum, so wird sie das Verhalten schnell ablegen. Hier ist abermals die Betrachtung im jeweiligen Kontext wichtig. Vielleicht möchte sich die Person auch einfach einmal strecken. 

Steife Arme 

Ein Verhalten, dass sich auf das Reaktionsmuster der Schockstarre zurückführen lässt, kann man häufig bei Kindern beobachten, die von ihren Eltern misshandelt wurden. 

Die Arme des Kindes versteifen, sobald sich das Elternteil von der die Misshandlung ausging in unmittelbarer Nähe befindet. Durch die Erstarrung versucht das Kind, keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. 

Gefühlsbarometer

Sobald die eigene Mannschaft ein Tor schießt, reißen die Fans ihre Arme nach oben, um ihre Freude zum Ausdruck zu bringen. Folglich dienen die Arme auch als Gefühlsbarometer. Lassen wir die Arme hängen, so können wir auf Trübsinnigkeit schließen. 

Nonverbale Kommunikation des Gesichts

Das Gesicht ist dazu in der Lage, unzählige nonverbale Signale zum Ausdruck zu bringen. Ich möchte jedoch lediglich auf das Lächeln eingehen. 

Falsches oder echtes Lächeln?

Mit dem Gesicht können wir am besten lügen. Schon als Kind mahnten die Eltern uns, wenigstens so zu tun, als würden wir uns über das Geschenk der Tante freuen. So setzten wir kurzerhand ein falsches Lächeln auf. Wer genau hinsieht, der kann zwischen echtem und falschem Lächeln unterscheiden. Dies ist jedoch nicht einfach. 

Um eine Vermutung anstellen zu können, müssen wir unseren Blick auf die Mundwinkel der lächelnden Person wenden. Zieht sie diese nach oben in Richtung der Augen, so ist das Lächeln vermutlich echt. Ziehen sich die die Mundwinkel jedoch in Richtung der Ohrläppchen, so ist die Wahrscheinlichkeit eines falschen Lächelns größer.

Zusammenfassung 

Die nonverbale Kommunikation lässt sich noch heute auf die Urzeit zurückführen. Beinahe alle körperlichen Kommunikationssignale liegen in den Reaktionsmustern Schockstarre, Flucht oder Kampf begründet. Jedoch müssen alle Verhaltensweisen immer im Kontext betrachtet werden. Die genannten Schlussfolgerungen lassen sich nur mutmaßen und beruhen auf den Erfahrungen des langjährigen FBI-Agenten Joe Navarro, der heute weltweites Ansehen als Experte für Körpersprache und Autor genießt. In seinem Buch erfährst du mehr, über die unzähligen Signale nonverbaler Kommunikation.