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Digitale Medien für Kinder

Julia Bloßmann 18 5 min read Artikel speichern

3 Schritte zum optimalen Bildschirmzeit-Plan

Als ich noch bei einem der großen Fernsehsender für Kinder arbeitete, beschäftige ich mich lange Zeit mit der Entwicklung hochwertiger digitaler Medien für Kinder. Obwohl ich dank meiner täglichen Arbeit bestens über Inhalte und Alterseignung der verschiedenen Fernsehsendungen informiert bin, empfinde auch ich es als stressig, Regeln für die tägliche Bildschirmzeit meiner Kinder aufzustellen und vor allem auch deren Einhaltung durchzusetzen. Es gibt so viele verschiedene Auffassungen rund um das Thema digitale Medien für Kinder, dass ich es manchmal als schwer empfinde guten Gewissens zu entscheiden, wann und was meine Kinder sehen und spielen dürfen.

 

Es hilft dabei, sich bewusst zu machen, dass digitale Medien einfach ein modernes Werkzeug sind, genau wie Bücher, Spielzeug und Bastelmaterial. Als Eltern können wir entscheiden, wie und wann wir diese Werkzeuge bei unseren Kindern einsetzen wollen.

 

In diesem Sinne möchte ich einige effektive Ansätze vorstellen, die dir und deiner Familie dabei helfen, die digitale Technologie zu Hause optimal zu nutzen. Genau wie bei der Planung von Mahlzeiten und Schulaktivitäten dauert es anfangs ein wenig, aber sobald du einen Plan hast, wird es dir leichter fallen. 

 

Bevor du deinen Medienplan erstellst, solltest du die folgenden zwei Fragen für dich persönlich beantworten:

 

Frage 1: Welchen Nutzen soll mein Kind durch den Einsatz digitaler Medien erlangen?

Möchtest du zum Beispiel, dass dein Kind nach der Schule erst einmal entspannt und vom stressigen Schultag runterkommt? Möchtest du, dass dein Kind seine sozialen und emotionalen Fähigkeiten verbessert? Oder möchtest du deinem Kind mehr Bewegung verschaffen und seine Energie fördern? Deine Antworten helfen dir bei der Entscheidung, ob du eine relativ ruhige Sendung wählst oder ein digitales Spiel, das Bewegung fördert.

 

Wenn du möchtest, dass dein Kind etwas Informatives schaut, bei dem es an Wissen dazu gewinnt, solltest du dich bei der Wahl der Sendung vor allem an den Interessen deines Kindes orientieren. Vielleicht findest du ein Programmen oder Spiel mit Charakteren oder Themen, die dein Kind kennt und mag. So kannst du die Neugier deines Kindes wecken und es wird sich wahrscheinlich intensiver mit dem Inhalt beschäftigen.

 

Achte bei der Programmauswahl ganz besonders auf Positivität. Zeigen die Charaktere in dieser Show oder in diesem Spiel gutes Verhalten und wenden konstruktive Fähigkeiten zur Problemlösung an? Dein Kind lernt viel, indem es beobachtet, wie andere Menschen miteinander umgehen, dieser Aspekt trifft auch auf alle Charaktere in digitalen Medien zu.

 

Du bist dir nicht sicher, was gut und altersgerecht ist?

Dann ist der folgende Tipp bestimmt interessant für dich:

Die Initiative "Schau Hin! Was Dein Kind mit Medien macht." wurde 2003 ins Leben gerufen. Sie unterstützt Eltern und Erziehende dabei, sich über digitale Medien zu informieren und sensibilisiert für Chancen und Risiken. Die Internetseite bietet Handlungsempfehlungen zu den Medienbereichen TV und Film, Internet, soziale Netzwerke, Games und mobile Geräte. Eltern können außerdem im Live-Chat Fragen an Mediencoaches stellen und finden Beratungsstellen in ihrer Nähe.

 

Frage 2: Wie viel Zeit soll mein Kind für digitale Medien nutzen und wann lässt sich diese Zeit am besten einplanen?

Seien wir ehrlich zu uns selbst: Manchmal müssen unsere Kinder 30 Minuten beschäftigt sein, während wir das Abendessen fertig machen oder duschen. Berücksichtige also auch deine Bedürfnisse. Was ist die beste Tageszeit für dein Kind, um eine Show zu sehen oder ein Spiel zu spielen? Wenn du ein jüngeres Kind für ein Nickerchen hinlegst, solltest du eine Aktivität auswählen, die für dein Kind relativ ruhig und einfach ist, damit es nicht unnötig aufgekratzt wird.

 

Die Einführung eines Familienmedienplans

Nachdem du diese Fragen beantwortet hast und einige Richtlinien für die Nutzung der digitalen Medien für dein Kind festgelegt hast, kannst du direkt loslegen und den Medienplan einführen.

 

1. Stelle deiner Familie den Plan vor und erkläre die Abläufe

Mache deinem Kind den von dir erstellten Bildschirmzeitplan klar. In meinem Haushalt gibt es beispielsweise eine „Medien-Tabelle“, in der die Anzahl der 30-minütigen Medienblöcke aufgeführt ist, die mein älterer Sohn jeden Tag haben kann. An Schultagen kann er eine Sendung sehen, während er sich anzieht und seine Milch trinkt, aber es muss eine sein, die auch sein jüngerer Bruder mit ansehen kann. Nach der Schule kann er mit einem weiteren Block ein Tablet-Spiel spielen oder eine Sendung schauen.

 

Es gibt besondere Anlässe bei denen die Medienzeit spontan verlängert werden kann, wie einen Familienfilmabend, die Mediennutzung auf Reisen oder etwas zusätzliche Zeit um auf dem Tablet zu spielen, während du auf einen Arzttermin wartest. Als Familie haben wir beschlossen, keine Medien in Restaurants zu verwenden und stattdessen zum Ausmalen oder Spielen von Spielen wie "Ich sehe was, was du nicht siehst" zu ermutigen.

 

2. Sprich mit deinem Kind darüber, was es gespielt oder gesehen hat

Wenn du nicht mit deinem Kind zusammen schaust oder spielst, versuche ein wenig zu hören, was dein Kind auf dem Bildschirm tut, und stelle klar, dass Medien etwas sind, über das ihr sprechen könnt. Das könnte zum Beispiel so klingen: "Was ist heute in der Show passiert?"; "Wie hat Winnie Puh sein großes Problem gelöst?" oder "Wie bist du über diese große Felsspalte im Spiel gekommen?"

 

Ermutige dein Kind, dir die Geschichte zu erzählen, die es gesehen hat oder was es im Spiel gelernt hat. Bringe deinem Kind bei, dass es gut ist, eine Meinung zu Medien zu haben und sie nicht einfach bloß anzuschauen, ohne den Inhalt zu hinterfragen. Wenn ihr als Familie zusammen einen Film seht, sprecht darüber, was jeder Person gefallen hat oder nicht gefallen hat, und findet heraus, ob ihr eine Diskussion darüber führen können. So trainiert dein Kind nicht nur seine Kommunikationsfähigkeiten, sondern lernt auch kritisch darüber nachzudenken, was es auf den Bildschirmen um sich herum sieht.

 

3. Finde ein Gleichgewicht zwischen Bildschirmzeit und frischer Luft

Es ist wichtig, das richtige Gleichgewicht zwischen Fernsehen, interaktiver Bildschirmzeit und Aktivitäten außerhalb des Bildschirms für deine Familie zu finden. Medien lassen sich auch wunderbar mit praktischen Aktivitäten in Verbindung bringen. Wenn dein Kind  beispielsweise gerne Filme mit Dinosauriern schaut, schlage einen Ausflug ins Naturkundemuseum vor, um einmal echte Dinosaurierknochen bestaunen zu können. Oder wenn dein Kind gerne Pokemon schaut, kannst du ihm vorschlagen auch die Pokemon Go App herunter zu laden, um den Spaß an die frische Luft zu verlagern. Mit anderen Worten, digitale Medien können ein guter Ausgangspunkt für Familienspaß sein – auch außerhalb der eigenen vier Wände.

 

Kleinkind am Laptop

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