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Selbstbewusstsein bei Kindern stärken - Diese Übungen helfen

Julia Bloßmann 26 5 min read Artikel speichern

Ein starkes Selbstbewusstsein führt zu neuen Erfahrungen

Paul hatte Schwierigkeiten, an Aktivitäten in einer Gruppe teilzunehmen, auch an solchen, die er normalerweise mochte, wie Schwimmen oder Fußball. Er stellte sich absichtlich an den Rand, behauptete, er sei gelangweilt oder weigerte sich, sich richtig einzubringen. Seine Eltern hatten versucht, ihn mit Aussagen wie: „Aber du doch kannst gut schwimmen!“, oder „Du liebst doch eigentlich Fußball!“, zu motivieren und ihn mit Belohnungen aus der Reserve zu locken. Auch der Versuch Max Motivation zu stärken, indem sie ihn mit anderen Kindern verglichen blieb ohne Erfolg. Sätze wie: „Schau dir an, was Jan für einen Spaß beim Planschen hat!“, bewirkten eher das Gegenteil und Max zog sich nur noch mehr zurück. Seine Eltern waren traurig und befürchteten, dass Max Erfahrungen verpassen könnte, von denen sie wussten, dass er sie genießen würde. Sie machten sich auch Sorgen darüber, was es für ihn bedeuten würde, sich nur an Dinge zu halten, bei denen er sich absolut sicher fühlte, und kein Risiko einzugehen brauchte.

 

Kinder, die sich weigern, neue Dinge auszuprobieren oder sich an Aktivitäten zu beteiligen, die sie nicht vollständig beherrschen, sind keine Seltenheit. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Eltern eine ganze Reihe von Strategien ausprobieren, um ihre Kinder zur Teilnahme zu bewegen. Der Grund, warum sie oft nicht gut funktionieren, ist, dass sie das zugrunde liegende Problem nicht ansprechen, was das Unbehagen des Kindes und damit seinen Widerstand verursacht.

 

Das Temperament macht den Unterschied

Für viele Kinder hat die Grundursache von Ängsten aller Art mit ihrem Temperament zu tun. Sie sind darauf ausgerichtet, sich intensiv auf ihre Erfahrungen in der Welt einzustellen. Dabei  konzentrieren sie sich auf alles, was sie sehen und erleben, und nehmen es auf. Es ist, als ob ihr Gehirn keinen Aus-Schalter hat. Sie fragen sich: „Was ist das für ein Ort? Wer sind diese Leute? Was soll ich hier machen? Werde ich erfolgreich sein? " Diese Charaktereigenschaft steht im Gegensatz zu solchen Kindern, die ihre Erfahrungen nicht so tief verarbeiten und direkt in neue Erfahrungen einsteigen. 

 

Die Intensität, mit der empfindlichere Kinder ihre Erfahrungen verarbeiten, kann dazu führen, dass sie ängstlicher und vorsichtiger werden, insbesondere in neuen Situationen oder Gruppen, in denen es eine Leistungskomponente gibt. Wenn sie vor einer Herausforderung stehen - etwas, das sie nicht vollständig verstehen oder das sie nicht beherrschen -, können sie sich außer Kontrolle und verletzlich fühlen. Das ist ein sehr unangenehmes Gefühl. Um dies zu vermeiden, beschweren sich Kinder möglicherweise, dass sie sich nicht wohl fühlen, sagen, dass sie die Aktivität nicht mögen (auch wenn sie dies eigentlich tun) oder lehnen es einfach ab, es zu versuchen. Sie halten sich lieber an das, was bequem ist - Aktivitäten, die sie vollständig beherrschen und in denen sie sich auszeichnen.

 

So kannst du dazu beitragen, das Vertrauen deines Kindes zu stärken, damit es neue Dinge ausprobieren kann

Erkenne die Gefühle deines Kindes an. Widerstehe der Versuchung, vermeintlich beruhigend oder herunter spielend auf dein Kind einzureden. Sätze wie „Aber du wirst bestimmt großartig darin sein!" oder  "Es gibt nichts, wovor du Angst haben müsstest" setzen dein Kind nur zusätzlich unter Druck. Wenn du versuchst, dein Kind von seinen Gefühlen abzulenken, verschwinden die Gefühle dadurch nicht. Stattdessen bemerkt dein Kind, dass du dich mit seinen Emotionen unwohl fühlst, wodurch es vor allem lernt, sie in Zukunft für sich zu behalten.

 

Zeige deinem Kind, dass du seine Gefühle verstehen und akzeptieren kannst und dass du sie nicht als richtig oder falsch, gut oder schlecht beurteilst. Lass dein Kind wissen, dass du völlig verstehen kannst, dass sich neue Erfahrungen anfangs sehr unangenehm oder beängstigend anfühlen können. Versuche dich der Gedanken- und Gefühlswelt deines Kindes behutsam zu nähern, indem du z.B. sagst: „Ich weiß, dass du noch zögerst, am Schwimmkurs teilzunehmen, obwohl du gerne schwimmst. Überlegen wir uns doch zusammen, was es braucht damit du dich in der Gruppe wohl fühlen könntest. "

 

Das „Sorgen-Hirn“ und das „denkende Hirn“

Sprich mit deinem Kind über seine Sorgen und Gedanken. Erkläre ihm, dass es verschiedene Teile unseres Gehirns gibt. Wir alle haben ein „Sorgen“ -Hirn, das uns dazu bringt, uns auf Dinge zu konzentrieren und darüber nachzudenken, die schief gehen oder beängstigend sein könnten. Wir haben aber auch einen „denkenden“ Teil unseres Gehirns, der unser Sorgengehirn wissen lässt, dass wir mit diesen Ängsten umgehen und sie meistern können.

 

Pauls Eltern nutzten diese Strategie, um ihm zu helfen und ihn dazu zu bringen, darüber nachzudenken, was sein Gehirn ihm mitteilte. Er sagte, sein besorgtes Gehirn befürchte, dass er möglicherweise nicht alle Schwimmbewegungen korrekt ausführen könne und dass er möglicherweise ertrinken würde. Seine Eltern fragten, ob alle Kinder perfekte Schwimmer seien, und Max sagte: „Nein, der Lehrer muss allen helfen und er ist immer da, um die Kinder zu beschützen damit niemand ertrinkt.“ Wenn Kinder also dazu gebracht werden, ihre Ängste aus diesem Blickwinkel zu betrachten, können sie ihre komplexen Gefühle besser verstehen und besser kontrollieren, sodass sie dadurch leichter zu handhaben sind.

 

Positive Erinnerungen nutzen

Binde das „denkende Gehirn“ deines Kindes ein, um sich an Zeiten zu erinnern, in denen es sich im Vorfeld Sorgen über eine Situation machte, die es dann jedoch erfolgreich durchlebt hat. Pauls Eltern erinnerten ihn daran, wie nervös er an seinem ersten Tag in der neuen Schule gewesen war. Er machte sich Sorgen darüber, wie sich die Lehrer verhalten würden, wie die anderen Kinder aussehen würden und wie sich der Alltag von dem seiner anderen Schule unterscheiden würde. Er klammerte sich bei der Verabschiedung an seine Eltern und bettelte morgens oft darum, nicht zur Schule gehen zu müssen. Er sagte, dass es ihm dort nicht gefiel oder dass er sich nicht gut fühlte. Durch diese Geschichte konnte sich Max wieder daran erinnern, wie sehr er die neue Schule mochte, nachdem er sich erst einmal mit ihr vertraut gemacht hatte und sein denkendes Gehirn ihm gezeigt hatte, dass seine Sorgen unbegründet waren. 

Es kann daher hilfreich sein, wenn du dein Kind an eine Situation erinnerst, in der es besondere Angst hatte, etwas Neues auszuprobieren, und in der das Durchhalten und klar Denken am Ende zu einem positiven Ergebnis geführt hat. Hier erfährst du wie man Negative Glaubenssätze durch positive Affirmationen ablegen kann.

Lachendes Kind

 

Wie du deinem Kind bei Ängstlichkeit helfen kannst

Übe im Voraus mit ihm zusammen. Lass es schon vor dem Schwimmunterricht ein bisschen im Becken üben oder spielt ein bisschen Fußball im Hinterhof. So kann dein Kind ganz ohne Druck erste Erfahrungen mit der Aktivität sammeln und sich beim ersten Mal in der Gruppe kontrollierter und kompetenter fühlen. Wie würde Bob der Baumeister sagen?

„Können wir das schaffen? Ja, wir schaffen das!“

 

Auch wenn dein Kind aufgrund von Ängsten oder Sorgen mehr Schwierigkeiten hat als andere,  an Aktivitäten teilzunehmen, solltest du an seiner Seite stehen und immer die Ursache für seine Ängste im Blick behalten. Gib deinem Kind die richtigen Werkzeuge in die Hand und unterstütze es liebevoll dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Innere Stärke und Selbstkontrolle zu entwickeln ist nicht einfach aber wichtig für das ganze Leben.

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